Einsatzmöglichkeiten von Simulation

… in der Pflegebildung:

SimNAT Pflege e.V. - SimPad der BFS für Krankenpflege Kempten

  • Einüben (komplexerer) Pflegehandlungen
  • Kommunikation und Gesprächsführung
  • Teamtraining – Abläufe verbessern
  • Spezielle Notfallsituationen
  • Simulation als Prüfungssituation

(Foto: Technische Ausstattung im Simulationslabor)

Arten von Simulation in der Pflegebildung

Simulationen in der Pflegebildung umfassen das Lernen:

  • Mit Skills- und Tasktrainern (z.B. i.v. Injektionsarme) für den Erwerb technischer Fertigkeiten.
  • Mit niedrig- bis hochtechnisierten Simulatoren sog. Manikins, die ein hohes Level an Interaktionsmöglichkeiten und Realitätsnähe bieten (Jeffries 2007). Komplexe Pflegesituationen werden für den klinischen Unterricht im Labor in Form von Szenarien entwickelt. Die Manikins dienen zur Darstellung eines Patienten unter Verwendung von Herz- und Lungengeräuschen, tastbaren Impulsen, Sprachinteraktion, Bewegung (z. B. Anfällen, Augenblinken), Blutungen und anderen menschlichen Fähigkeiten, die von einem Lehrenden unter Verwendung von Computern und Software gesteuert werden können (Lopreiato et al. 2016: 21).
  • In Form virtueller computergestützter Trainings (u.a. sogenannte Serious Games, Virtual Reality, Augmented Reality), die entwickelt wurden, um Lernerfahrungen mit Hilfe alternativer Medien anbieten zu können. Computergestützte Trainings enthalten die Modellierung realer Prozesse mit Eingangs- und Ausgangssequenzen, virtuellen Patienten, Task-Trainer für virtuelle Realität und immersive Virtual-Reality-Simulation (Lopreiato et al. 2016). Die Lernenden können spezifische Lernziele erreichen, die in unterschiedlichen Szenarien und Settings angeboten werden. Sie nutzen die zur Verfügeng stehenden Informationen für die Einschätzung der Patientensituation und für die Auswahl an pflegerischen Interventionen. Sie treffen klinische Entscheidungen und beobachten deren Wirkung. Rückmeldungen an die Lernenden können während oder im Anschluss an die Durchführung erfolgen (Durham et al. 2008).
  • Mit sog. standardisierten Patienten (Schauspieler) für die Simulation von Gesprächssituationen z.B. Anamnese- und Assessmentgespräche, Konfliktgespräche, Aufklärung und Beratungssituationen (Nagle et al. 2009: 19). Der standardisierte Patient (SP) ist eine Person, die sorgfältig trainiert wurde, um einen tatsächlichen Patienten so genau zu simulieren, dass die Simulation von einem ausgebildeten Kliniker nicht erkannt werden kann. Bei der Durchführung der Simulation zeigt der SP die Gestalt des Patienten, die Geschichte, die Körpersprache, die körperlichen Befunde sowie die emotionalen und Persönlichkeitsmerkmale der Person, die simuliert wird (Lopreiato et al. 2016: 36).
  • In Hybridsimulationen; hierbei werden sowohl Schauspielpatienten in Kombination mit Manikins eingesetzt, um die Realität der Situation in den Bereichen Kommunikation und Interaktion zu optimieren und gleichzeitig hochkomplexe pflegerische Handlungen üben zu können. Die Hybridsimulation wird am häufigsten auf Situationen angewendet, in denen ein Skills-Trainer (z. B. ein Harnkathetermodell) realistisch an einen standardisierten / simulierten Patienten angebracht wird, wodurch das Lehren und die Bewertung der technischen und Kommunikationsfähigkeiten in einem integrierten System ermöglicht wird (Kneebone, Kidd et al., 2002).
  • In Situ Simulationen: Das reale Umfeld, in dem üblicherweise gearbeitet wird, dient als Lernumgebung, um eine hohe Realitätsnähe zu erreichen.



Begriffsklärungen zum Thema Simulation

SimNAT Pflege e.V. - Skillsunit "Legen einer nasalen Magensonde" - BFS für Krankenpflege KemptenSimulation

Bei einer Simulation handelt es sich um eine geschaffene „reale Welt“ (Timmermann et al. 2007, 53). Simulation ist eine Lehr-/ Lernmethode, in welcher Lebenssituationen (Pflegesituationen) möglichst realitätsnah imitiert werden (Waxmann 2010, 29). Simulationen finden in geschützter Lernumgebung statt und lassen die Entwicklung einer Fehlerkultur zu.

Die Simulation kann mehrere Modalitäten integrieren, um die Kompetenzentwicklung der Lernenden zu fördern, zu verbessern oder zu validieren (INACSL 2016; Gaba 2004). Simulations-basierte Lernerfahrungen bieten eine breite Palette strukturierter Aktivitäten, die tatsächliche oder potenzielle Situationen in Ausbildung, Praxis und Forschung darstellen. Die Lernenden entwickeln und festigen ihr Wissen, ihre Fertigkeiten und / oder Einstellungen. Sie lernen realistische Situationen in einer simulierten Umgebung zu analysieren und darauf zu reagieren (Pilcher et al. 2012).

Durch die arrangierten Simulationsübungen können festgelegte Lernziele erreicht und der spätere Theorie-Praxis-Transfer erleichtert werden (Waldner 2007: 11). Die Handlungsfähigkeit wird in einem geschützten Raum verbessert, ohne die Patientensicherheit zu gefährden (Nagle et al. 2009: 20).

SimNAT Pflege e.V. - Simulation "Versorgung einer Patientin mit kardialen Beschwerden" - BFS für Krankenpflege KemptenSimulationslabor

Unter Simulationslabor wird im Allgemeinen eine zentrale Trainingseinrichtung verstanden, in denen spezifische (meist ärztliche) Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt werden.

Evaluation von Lernprozessen

Durch Simulationstraining wird evidenzbasiertes Wissen in die Patientenversorgung transportiert und reflexives Bewusstsein von Auszubildenden und Studierenden gefördert. Simulationsbasiertes Lernen verbessert dadurch die Patientenversorgung und Patientensicherheit.

SimNAT Pflege e.V. - Simulation live im Unterricht - Hochschule Fulda

Literatur

Durham C., & Alden K. (2008): Enhancing patient safety in nursing education through patient simulation. In Hughes R. (Ed.). (2008): Patient safety and quality: An evidence-based hand-book for nurses, Vol 3. Rockville, MD: Agency for Healthcare Research and Quality (US). (pp. 221-260), Available from http://www.ncbi.nlm.nih.gov/ books/NBK2628/

Gaba, D. M. (2004). The future vision of simulation in healthcare. Quality and Safety in Healthcare, 13(supplement 1), i2-i10

INACSL Standards Committee (2016, December). INACSL standards of best practice: SimulationSM Simulation glossary. Clinical Simulation in Nursing, 12(S), S39-S47. http://dx.doi.org/10.1016/ j.ecns.2016.09.012

Jeffries, P.R. (2007): Simulation in nursing education: From conceptualization to evaluation. New York: National League for Nursing

Kneebone R., Kidd J., Nestel D., Asvall S., Paraskeva P., & Darzi A. (2002): An innovative model for teaching and learning clinical procedures. Medical Education, 36(7), 628-634

Lopreiato J. O. (Ed.), Downing D., Gammon W., Lioce L., Sittner B., Slot V., Spain A. E. (Associate Eds.), and the Terminology & Concepts Working Group (2016): Healthcare Simulation Dictionary. Retrieved from http://www.ssih.org/dictionary.

Nagle B.M.; McHale J.M.; Alexander G.; French B. (2009): Incorporating Scenario-Based Simulation into a Hospital Nursing Education Program. The Journal of Continuing Education in Nursing. 40 (1) 18-25.

Pilcher J., Goodall H., Jensen C., Huwe V., Jewell C., Reynolds R., & Karlson K. (2012): Simulation-based learning: It’s not just for NRP. Neonatal Network, 31, 281-287.

Waldner M.H., Olson J.K. (2007): Taking the Patient to the Classroom: Applying Theoretical Frameworks to Simulation in Nursing Education. In: International Journal of Nursing Education Scholarship. 4 (1) 1-14

Fallstudien zur Integration von Simulation in den Lehrplan für Gesundheits- und Krankenpflege